Nordost

03.12.2010: S-Bahn-Infrastruktur

03.12.2010: S-Bahn-Infrastruktur an das Land Berlin!

VCD fordert Konsequenzen aus den abermals verschneiten S-Bahn-Weichen
Berlin, den 03.12.2010: Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) fordert als Konsequenz aus dem abermaligen
Winterchaos bei der S-Bahn das Land Berlin auf, die S-Bahn-Infrastruktur vom Bund zu übernehmen. „Die Weichen,
die keine Weichenheizungen hatten und für deren Freischaufeln gestern nicht genug Personal eingesetzt wurde, gehören
dem Bund“, sagt Stefan Kohte, Bahnexperte des VCD Nordost. „Dieser macht seit Jahren der zuständigen DB
Netz AG nur Vorgaben zur Gewinnquote, nicht aber zur Qualität der Verfügbarkeit.“
„Im Gegensatz zum Januar 2010 haben gestern die S-Bahn-Fahrmotoren nicht zu Zugausfällen geführt und waren
zugefrorene Türen das geringere Problem. Denn die S-Bahn war endlich mal besser vorbereitet und hatte z.B. Personal
zum Freikratzen der Türen an den Endbahnhöfen,“ so Stefan Kohte (VCD). „Stattdessen hatten wir wieder das
Problem des Januar 2009 und früherer Jahre, dass die Weichen zugeweht sind, zum Teil, weil sie nicht ausreichend
geheizt waren, zum Teil, weil nicht genug Personal unterwegs war, um diese freizuschaufeln.“
„Die starken Einschränkungen heute, am Freitag, sind eine indirekte Folge der Weichenstörungen gestern“ sagt Stefan
Kohte (VCD). „Die S-Bahn hat z.Zt. ein besonderes, tägliches Kontrollverfahren aller Züge (Sandbehälter). Das
ließ sich gestern wegen der Weichenstörungen nur zum Teil umsetzen. Daher müssen heute erstmal sehr viele Züge
kontrolliert werden, bevor sie in den Betrieb gehen können.“
Der VCD Nordost ist überzeugt, dass keine Verkehrssenatorin den Zustand der jährlich zugeschneiten Weichen bei
gleichzeitig großem Gewinn der Netzbetreiber im Falle von Landeseigentum akzeptieren würde.
„Genauso wie das Land Berlin festlegt, welche Straßen mit welcher Priorität vom Schnee befreit werden bzw. nach
dem Winter ausgebessert werden, muss es darüber entscheiden können, welche Prioritäten bei den S-Bahn-
Weichen, -Gleisen, -Signalen, -Werkstätten und -Bahnhöfen gesetzt werden!“ fordert Stefan Kohte (VCD Nordost).
Da die S-Bahn-Infrastruktur fast ausschließlich von Zügen genutzt wird, die die Länder Berlin und Brandenburg
bestellen und zu einem erheblichen Anteil finanzieren, liegt der Regelungsbedarf eindeutig auf regionaler und nicht
auf Bundesebene (wie bei den Regionalbahngleisen, auf denen auch Fern- und Güterzüge verkehren).
Der VCD Nordost fordert das Land Berlin auf, die – wie am 7. Januar 2010 von Frau Junge-Reyer verkündet – angestrebten
Verhandlungen mit dem Bund zu beginnen über die Übertragung des S-Bahn-Netzes sowie die dazugehörenden
jährlichen Finanzmittel aus der „Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung“ zwischen Bund und DB AG.
„Die CDU-CSU-FDP-Koalition auf Bundesebene soll damit zeigen, dass sie ihr im Koalitionsvertrag verankertes Ziel,
‚neue Betreibermodelle für regionale Schienenstrecken zu erproben’ (Zeile 1452), ernst meint“, sagt Stefan Kohte
(VCD Nordost). „Gerade weil strukturelle Prozesse und Gesetzesänderungen länger dauern, müssen hier auf Bundes-
und Landesebene endlich die Weichen für eine bessere Lösung gestellt werden.“

 

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