Nordost

12.10.2011: Berliner Luft

12.10.2011: Berliner Luft: Alarmierende Werte in Neukölln und Tempelhof

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland warnt: Feinstaubbelastung in der
Silbersteinstraße und am Mariendorfer Damm kurz vor kritischem Grenzwert

Berlin. Vielleicht ist ihnen die erfreuliche Nachricht, dass Berlin an der Spitze des
europäischen Städtevergleichs „Rußfrei fürs Klima“ liegt, noch frisch in Erinnerung.
Ursache ist die erfolgreiche Umweltzone. Allein mit ihr konnte der Ausstoß von
Dieselruß innerhalb des S-Bahn-Rings halbiert werden.
Trotz dieser Erfolgmeldung ist der Straßenverkehr im Berliner Stadtgebiet weiterhin
Hauptverursacher gesundheitsschädigender Luft- und Lärmbelastungen. Zum Schutz
der Gesundheit hat die Europäische Union einen Immissionsgrenzwert für sogenannten
Feinstaub (Partikel PM10 50:g/m³) festegelegt. Dieser Grenzwert darf im Kalenderjahr
bis zu 35 mal pro Messstelle überschritten werden. Heute stehen die Silbersteinstraße
in Neukölln und der Mariendorfer Damm in Tempelhof mit bereits 34 bzw. 33
Überschreitungen an der Spitze der Berliner Messstationen.
Christian Kölling, Vorstandsmitglied des ökologischen Verkehrsclub Deutschland,
Landesverband Nordost e.V.: „Die Erfolgsgeschichte der Berliner Umweltzone muss
unter dem neuen Senat fortgeführt werden. ‚Berliner Luft‘ ist dank der bisherigen guten
Arbeit der Berliner Umweltverwaltung ein Markenzeichen mit Qualitätsnachweis
geworden. Die neue Landesregierung darf im umweltpolitischen Engagement nicht
nachlassen, ohne dabei Lärm und Luftverschmutzung außerhalb des S-Bahn-Rings zu
vergessen. Saubere Luft, gesunde Umweltbedingungen und körperliche Unversehrtheit
sind einklagbare Rechte, auf die alle Berliner Anspruch haben, unabhängig davon, wo
sie wohnen. Es ist ein umweltpolitischer Skandal, dass die kritischen Grenzwerte für
Feinstaub in Neukölln und Tempelhof bereits im Oktober fast erreicht sind.“
Für mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität am Tempelhofer- und Mariendorfer Damm
treten VCD sowie BUND, ADFC, Politiker und insbesondere der lokale Verein TeMa
e.V. seit Jahren gemeinsam ein. Das breite Bündnis hat schon fünf Bürgerforen
organisiert und öffentliche Aktionen durchgeführt. Die Bezirksverordnetenversammlung
von Tempelhof-Schöneberg fasste inzwischen einen Beschluss, um den Straßenzug
zur „vitalen Einkaufsstraße“ zu entwickeln (Drucksache 1565/XVIII). Das Ziel ist eine
„verträglichere Gestaltung des hohen Verkehrsaufkommens zur Einhaltung der
Feinstaub-Grenzwerte, Minderung der Lärmbelastung und der Erhöhung der Sicherheit
insbesondere für den Radverkehr.“ Kölling: „Die Feinstaubbelastungen am Mariendorfer
Damm sind zu hoch - jetzt ist es Zeit zum Handeln! Ernsthafte Schritte sind notwendig,
um den überregionalen LKW-Verkehr aus dem Straßenzug Tempelhofer- und
Mariendorfer Damm herauszuhalten und über den Berliner Ring zu führen. Damit die
Straße von übermäßigem LKW-Verkehr entlastet wird, muss das
Güterverkehrssubzentrums (GVSZ) ehemaliger Güterbahnhof Tempelhof entwickelt
werden. Das hat die BVV in Tempelhof-Schöneberg selbst gefordert.“

Allerdings verschärfen nicht nur Dieselmotoren sondern auch Benzinmotoren mit Direkteinspritzung das Feinstaubproblem, auch der motorisierte Individualverkehr muss
Luft- und Lärm-Emissionen reduzieren. Berlin kann hier von Erfahrungen der Städte
Kopenhagen und Stockholm profitieren, die im Wettbewerb „Rußfrei fürs Klima“ beide
sich den zweiten Platz teilen. Verglichen mit den skandinavischen Metropolen hinkt die
deutsche Hauptstadt bei Bus und Bahn sowie im Fahrradverkehr teilweise jedoch noch
hinterher. Kopenhagen ist mit einem 40-prozentigen Radanteil ganz vorne. Stockholm
ist insbesondere bei der Förderung des ÖPNV erfolgreich. Kölling: „Berlin ist keine
Autostadt - trotz seiner Größe und relativ weiten Entfernungen zwischen den
bezirklichen Zentren. 45 % aller Haushalt haben überhaupt kein Auto. Auf 1000
Einwohner kamen 2009 nur 324 PKW. In manchen Innenstadtbereichen wie im
nördlichen Neukölln liegt der Anteil unter 200.“ Mobilität ist in Berlin schon heute ohne
öffentlichen Verkehr und den Umweltverbund undenkbar. Politik, die Mobilität für alle
Bürger ermöglichen will, kommt deshalb nicht darum herum, für leistungsfähige ÖPNV
Strecken zu sorgen und bestehende Straßen –einschließlich Fußwegen und
Radspuren- zu erhalten und zu sanieren.

Verkehrsclub Deutschland,
Landesverband Nordost e.V.
Christian Kölling
Vorstandsmitglied
Yorckstraße 48
10965 Berlin-Schöneberg
Tel.: (030) 446 36 64
Mobil: 0174 517 76 27
info@vcd-nordost.de
www.vcd-nordost.de

 

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