Nordost

27.06.2012: Lkw-Maut

Mautflucht vermeiden durch Mauterhebung auf allen Straßen

VCD Nordost kritisiert Schlussfolgerungen eines Gutachtens zum Mautausweichverkehr, denn weiterer Straßenausbau bringt keine Entlastung, sondern würde noch mehr Verkehr induzieren.

Berlin, 28. Juni 2012. Die Städte und Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns an den Bundesstraßen 104 und 198 zwischen der A 19 bzw. A 20 und der Bundesgrenze nach Polen leiden unter den Auswirkungen des Lkw-Verkehrs. Dieser verstärkte sich nach der innereuropäischen Grenzöffnung und der Einführung der Lkw-Maut für Autobahnen. Ein Gutachten vom Mai 2012 im Auftrage des Straßenbauamtes Neustrelitz sollte untersuchen, ob eine Mauterhebung auf den betroffenen Bundesstraßen entlastend wirken könnte. Diese Frage wird jedoch mit dem Gutachten nicht beantwortet. Stattdessen schlagen die Gutachter den Ausbau dieser Bundesstraßen mit zusätzlichen Ortsumfahrungen vor. Die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene wird nicht einmal in Erwägung gezogen.

„Die Empfehlung offenbart die althergebrachte Denkweise der Verkehrsplaner“ mahnt Torsten Wierschin, Vorstandsmitglied im Landesverband Nordost des ökologischen Verkehrsclubs  VCD die politischen Entscheidungsträger der besonders betroffenen Städte und Gemeinden. „Die Planer haben lediglich die Straße für den Gütertransport im Visier. Die Verlagerung von Transporten auf die Schiene wird nicht einmal in Erwägung gezogen.“ Straßenausbau, gilt als alleiniges Allheilmittel. Dabei hat Mecklenburg-Vorpommern mit der A 20 bereits eine neue, leistungsfähige Trasse, die viel Geld kostete. Doch statt die Rolle einer natürlichen Ost-West Achse zwischen Stettin und Hamburg zu übernehmen, werden weiterhin die Bundesstraßen benutzt. Die A 20 bleibt leer.

Um jedoch die Zuwächse im Güterverkehr auch in Zukunft bewältigen zu können sowie insbesondere aus Gründen des Klimaschutzes, der nur durch die Reduktion der verkehrsbedingten Umweltbelastungen erreicht werden kann, muss mehr Verkehr dauerhaft auf die Schiene verlagert und die für den Transitverkehr vorgesehenen Autobahnen genutzt werden. Daher fordert der VCD Nordost mittelfristig die Weiterentwicklung der Lkw-Maut nach Schweizer Vorbild: Sie muss auf das gesamte Straßennetz ausgedehnt werden, für alle Lkw ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gelten und schrittweise auf durchschnittlich 45 Cent pro Kilometer angehoben werden. Nur so können verkehrslenkende Wirkungen erzielt werden.

Torsten Wierschin: „Die Ausdehnung der Lkw-Maut zunächst auf alle Bundesstraßen und später auf das komplette Straßennetz wird auch eine spürbare Verbesserung der kommunalen Einnahmesituation bringen, wenn die Maut dort, wo sie erhoben wird, auch Verwendung findet. Und die Diskussion um etwaige Mautflucht wäre beendet.“

Bis dahin sollten sich die Kommunalpolitiker insbesondere von Zerrenthin (bei Pasewalk), Hinrichshagen, Woldegk, Vietzen, Mirow und Neustrelitz für Lkw-Nachtfahrverbote und verstärkte, polizeiliche Kontrollen einsetzen. Damit wäre den an den betroffenen Streckenabschnitten wohnenden Menschen auch kurzfristig geholfen.

Rückfragen und Interviewwünsche:
Torsten Wierschin, Vorstandsmitglied VCD Nordost, Mobil: 0162 154 36 86,
E-Mail: torsten.wierschin[at]vcd-nordost.de

 

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