Nordost

28.08.2009: Autoloser Schulweg

28.08.2009: Kinder nicht mit dem Auto zu Schule

Berlin, 28. August 2009. Eltern sollen ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule fahren.
Das empfiehlt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zu Beginn des neuen Schuljahres in
Berlin. „Es ist ein Irrtum zu glauben, Kinder seien nur im Auto der Eltern sicher“, erklärte
Wolfgang Lukowiak, Mitglied im Vorstand des VCD Landesverbandes Nordost.
„Fast die Hälfte aller im Straßenverkehr verunglückten Kinder saß im Pkw.“ Tatsächlich
seien gerade die Eltern, die ihre Kinder mehr oder weniger gestresst zur Schule fahren
oder abholen, eine Gefahr.

Der VCD rät Eltern, den Schulweg gemeinsam mit ihren Kindern abzugehen und mögliche gefährliche
Stellen durchzusprechen. Das diene auch der Entwicklung der Kinder. „Wenn sie sich
zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegen, nehmen sie ihre Umwelt bewusst wahr“, sagte Lukowiak.
„Werden sie dagegen im Auto gefahren, reduziert sich ihr Lebensumfeld auf einzelne
Inseln, die nur durch das Elterntaxi miteinander verbunden sind.“ Rücksicht fordert der Verkehrsclub
aber auch von den Autofahrern: Vor allem in Straßen mit vielen parkenden Autos
sollten Autofahrer achtsam fahren. Die stehenden Fahrzeuge versperrten Kindern beim Überqueren
der Straße die Sicht. Umgekehrt würden die Kinder wegen ihrer geringen Körpergröße von
den Autos verdeckt und von Autofahrern leicht übersehen. Anders als Erwachsene seien Kinder
aufgrund mangelnder Erfahrung und eines geringeren Reaktionsvermögens nicht in der Lage, die
Gefahren des Straßenverkehrs richtig einzuschätzen und sich angemessen zu verhalten.
Außerdem forderte der VCD Autofahrer auf, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung in
Tempo-30-Zonen zu halten. Polizei und Ordnungsbehörden müssten Tempolimits gerade rund
um Schulen stärker kontrollieren. Ein Pkw-Fahrer, der 30 km/h fahre, könne noch rechtzeitig
anhalten, wenn ein Kind 15 Meter vor ihm auf die Fahrbahn laufe. Bei Tempo 50 hingegen
komme das Auto erst nach 28 Metern zum Stehen. Nach 15 Metern hätte das Fahrzeug noch
immer eine Aufprallgeschwindigkeit von 45 km/h, wodurch das Kind entweder getötet oder
schwer verletzt werden würde.

Der VCD verweist auf seine Forderung einer optimierten Gestaltung des Straßenraumes in der
Umgebung von Schulen und Kindergärten. Wie im benachbarten Europa bewährt, könnten auch
in Berlin geeignete Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und Regelungen den Schulweg sicherer
machen. Das EU-Modell „Shared Space“ oder die Schweizer „Begegnungszone“ räumen dem
Fußgänger mehr Freiräume und Rechte ein, erhöhen zugleich die Aufmerksamkeit der Autofahrer.
Lukowiak: „Wir brauchen einen kindergerechten Verkehr, nicht verkehrsgerechte Kinder.“

 

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