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Neuer Bundesfreiwilliger - Herzlich willkommen!

Mit Demian startete im Mai ein engagierter Verkehrswende-Aktivist den Bundesfreiwilligendienst in der Geschäftsstelle des VCD Nordost.

Er stellt sich selbst vor.

 

Meine Name ist Demian, ich bin gelernter Kaufmann im Gesundheitswesen und habe im Mai meinen Bundesfreiwilligendienst in der Geschäftsstelle des VCD Nordost gestartet. Unmittelbar zuvor habe ich, mitten in der Pandemie, meine Masterarbeit im Studiengang „Interdisziplinäre Lateinamerikastudien“ im Profilbereich „Geschlechterverhältnisse, Lebensformen, Transformationen“ am Lateinamerikainstitut der FU geschrieben und damit das Studium abgeschlossen.

In der Zeit der Pandemie werden Probleme nochmal viel sichtbarer, auch das der Umweltzerstörung und des damit einhergehenden Klimawandels. Sie zeigt auch, wie wichtig Bewegungsmöglichkeiten in urbanen Räumen sind. Die ungerechte Verteilung von Ressourcen zwischen Auto, Fahrrad und Fußgänger*in wurde besonders deutlich. Das Tempelhofer Feld als Bewegungs- und Erholungsraum beispielsweise, beweist sich in dieser Zeit mal wieder als wichtige Errungenschaft. Und solche autofreien Räume bedeuten für mich Lebensqualität. Ökologie und soziale Gerechtigkeit gehen für mich Hand in Hand. Der VCD stellt genau diese ungerechte Verteilung des öffentlichen Raums in den Mittelpunkt, weshalb es mir sehr plausibel schien, seine Arbeit unterstützen zu wollen.

Das Thema der nachhaltigen Mobilität ist für mich schon lange präsent, sitze ich schon seit frühem Kindesalter auf dem Fahrradsattel. Nun in Berlin bewege ich mich entweder mit dem Fahrrad, den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Einen Führerschein habe ich deshalb nie gemacht. Auch Reisen ins Ausland unternahm ich in den letzten Malen fast ausschließlich mit dem Zug und freue mich ganz besonders über den weiteren Ausbau (bzw. Wiedereinstieg) des Nachtzugverkehrs. Vorbei an Flamingos nach Barcelona oder in das Baskenland nach Hendaye sind bis jetzt meine Highlights, die ich immer wieder machen würde. Mit 300km/h sitzt man im ICE oder TGV ja schon fast wie in einem Flugzeug. Am Boden bleiben bietet allerdings den besseren Ausblick. Schön, dass sich auch das Reisebüro Kopfbahnhof, mit dem sich der VCD Nordost die Räumlichkeiten teilt, für eine ökologische Mobilität einsetzt.

Zwar saß ich schon auf der Demo in Wackersdorf mit Windeln auf Mamas Schultern, mein erstes wirkliches Umweltprojekt habe ich dann 2008 realisiert: ein Wochenende im Allgäu, einschließlich Mithilfe an einem Moorrenaturisierungsprojekt durch die JBN. Auch das Projekt in meinem Freiwilligendienst 2011 in Guadalajara/Mexiko, in einer urbanen Parkanlage, umfasste Bildungsarbeit, die neben der lokalen Flora und Fauna insbesondere den Monarchenschmetterling und den Umweltschutz im Visier hatte. Dort hin bin ich übrigens trotz fehlender Fahrradwege eisern und mutig mit dem Rad gependelt. Wo ein Wille ist...

Präsenz zu zeigen auf Veranstaltungen bzw. Demonstrationen, wie beispielsweise die Critical Mass oder die Verhinderung der A100, ist aus meiner Sicht eine wichtige Sache, um damit auf die Notwendigkeit sicherer und umweltfreundlicher Mobilität hinzuweisen. Ein Lastenfahrrad für den umweltfreundlichen Transport großer Möbel habe ich auch schon in Anspruch nehmen dürfen. Die Förderung und Promotion von Lastenfahrrädern halte ich für besonders erstrebenswert. Des Weiteren beschäftigen mich umweltrelevante Themen wie die ethische, soziale und nachhaltige Lebensmittelbeschaffung (beispielsweise verzichte ich schon lange auf Fleisch und tierische Lebensmittel). So wurde ich auf die Ideen des foodsharing, urban gardening oder der SoLaWi aufmerksam. Die Beschaffung und Verteilung von Lebensmittel wird hier in Berlin ja auch immer mehr mit dem Lastenfahrrad erledigt, was ich für eine positive Entwicklung halte. Die ganzen verbrennungsmotorisierten Lieferservices durch die großen Supermärkte allerdings, stellen meiner Ansicht nach immer noch eine Belastung dar. Hier gibt es noch viel zu tun, Lieferketten anders zu denken. Dazu gehört es auch, in Kieze Orte des Zusammenkommens zu schaffen, an denen z. B. Märkte Platz haben. Dies geht auch mit einer sozialen Mietenpolitik einher, die Menschen und alternative Konsumeinrichtungen nicht verdrängen und nicht nur einer speziellen Schicht zugänglich machen.

Weitere Erfahrungen in sozialen Projekten konnte ich vor allem im Bereich „Flucht, Migration und LSBTI+“ sammeln. Mit (queer)feministischen Themen fühle ich mich besonders verbunden und sehe vor allem einem anhaltenden Rechtsruck in Europa mit Sorge entgegen.

Mir ist es im Allgemeinen wichtig, diverse Themen zueinander zu bringen und kritisch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Natürlich freut es mich besonders, dass die letzte fairkehr (Zeitschrift) die Verknüpfung von Mobilität mit Geschlechterfragen zum Thema hatte. Ich finde es auch super, den Verkehr aus verschiedenen Perspektiven (Fußgänger*in, Fahrrad oder ÖPNV) zu betrachten, wobei ich zugegeben persönlich wohl ein eingefleischter (das ist jetzt nicht so ganz vegan ausgedrückt) Fahrradfahrer bin.

Auf die Zeit als Bundesfreiwilliger in der Geschäftsstelle des VCD Nordost bin ich sehr gespannt und hoffe zur sozialen und ökologischen Verkehrswende meinen Beitrag leisten zu können, und auch viele neue Einblicke in und durch die Vereinsarbeit kennenlernen zu dürfen.

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