Nordost

Radverkehr in Mecklenburg-Vorpommern

Der VCD Nordost setzt sich in MV für den Ausbau der Radinfrastruktur ein. Nicht nur für touristischen, sondern auch für Alltags- und Nutzradverkehr.

VCD Nordost fordert Weiterführung und Umsetzung der Radschulwegplanung in Mecklenburg-Vorpommern

Eine vielbeachtete Karte mit den (Fahrrad-)Unfallschwerpunkten in Greifswald, über die u.a. die Ostsee-Zeitung berichtete, hat der Geograph Sören Rothert erstellt.
Thorsten Wierschin, Vorstand beim VCD Nordost, erklärt: "In den 1990er Jahren erging seitens des Schweriner Innenministeriums ein Erlass 'Sicherer Schulweg'. Damit wurden u.a. Polizei, Schul- und Standortverwaltungen, aber auch die Elternvertreter sowie Unfall- und Krankenkassen gebeten, gemeinsam Pläne zur sicheren Schulweggestaltung zu erarbeiten. Grundlage der Pläne sollten aktuelle Schulwegunfallzahlen sein.
In Greifswald wurde zur selben Zeit eine Radschulwegplanung in Angriff genommen. Nach Aussage der Greifswalder Stadtverwaltung blieben diese Aufgaben jedoch auf einem unbefriedigenden Stand liegen. Mittlerweile ist z.B. die Polizei nach der Kreisgebietsreform 2012 personell nicht mehr in der Lage, die Unfallzahlen für Schulwege zu erfassen. Und seitens des Innenministeriums werde es keine weitere Unterstützung in Form von Personal und/Geldern dafür geben. Eine Fortschreibung der Pläne ist damit nicht gegeben.

Der Vorstand des VCD Nordost fordert sowohl vom Innenministerium als auch vom Verkehrsministerium, den damals eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und Worten auch Taten folgen zu lassen. Das könnten bspw. spezielle Förderprogramme für die Fuß- und Radwegeinfrastruktur sein oder die personelle und qualifizierte Untersetzung in den Verwaltungen, um Fuß- und Radverkehr sicher zu gestalten."

In Berlin protestierten Anfang Dezember VCD-Aktive im Rahmen der Verkehrssicherheitskampagne "Miteinander unterwegs" gegen Fahrrad-Unfälle: Sie legten sich auf die große Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße nahe dem Berliner Fernsehturm und symbolisierten so die vielen verletzten Radfahrenden, die durch Abbiegeunfälle verunglücken.

Quelle: Sören Rothert






VCD Nordost lehnt Küstenradweg ab

Der VCD Nordost begleitet den Neubau des Ostseeküsten-Radwegs im Abschnitt zwischen Greifswald und Stralsund begleitet kritisch. Bisher verläuft der Radweg auf der Alleenstraße der alten B96 und damit auf Kopfsteinpflaster, was für Radler äußerst beschwerlich ist. Im Juni 2013 hatte der Regionale Planungsverband eine Machbarkeitsstudie zum Streckenverlauf präsentiert. Für den Verlauf des Radwegs wurden darin drei Varianten beschrieben: Der erste Weg führt durch das Naturschutzgebiet Devin bis nach Neuhof und von dort am Ufer entlang; die zwei Variante spart das Naturschutzgebiet aus; die dritte verläuft parallel zur alte Bundestraße 96.

Während sich die Stralsunder Bürgerschaft und einige Gemeinden mehrheitlich für einen küstennahen Radweg aussprechen, um vor allem Touristen eine attraktive Wegführung zu bieten, setzt sich der VCD Nordost für die Streckenführung entlang der alten Bundesstraße 96 ein. Denn für den Alltagsradverkehr zwischen Stralsund und Greifswald ist diese Variante verkehrstechnisch deutlich besser; die Menschen in den Orten entlang der Strecke gelangen schneller von einem Ort zum anderen. Von den drei Strecken-Varianten ist der Radweg entlang der B96 zudem die kostengünstigste.  Das Schweriner Wirtschaftsministerium wünscht sich trotzdem eine andere Streckenführung, spricht sich jedoch nicht eindeutig für eine der beiden verbleibenden Varianten aus.

Zurzeit laufen Planungen in den betroffenen Gemeinden. Der VCD Nordost verfolgt die Entwicklungen weiter und wird sich gegebenenfalls erneut in die Diskussion einbringen. Sollte sich der Entwurf der Route durch das Naturschutzgebiet Devin durchsetzen, ist zudem damit zu rechnen, dass der BUND unter Aspekten des Umweltschutzes rechtlich dagegen vorgehen wird.

Quelle: Machbarkeitsstudie des Regionalen Planungsverbands






VCD Nordost für Rad-Diagonalquerung in Greifswald

Die Bürgerinitiative "Diagonal ist besser - für Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger"wird vom VCD Nordost und Mitgliedern des ADFC Greifswald, des NABU unterstützt.

Die 5 wichtigsten Argumente für die Diagonalquerung:

  1. Die Verkehrssicherheit steigt für alle Verkehrsteilnehmer!
  2. Die Kosten sind relativ zu anderen Maßnahmen der Stadt mehr als gering!
  3. Die Europakreuzung ist für das  Autoverkehrsgeschehen überdimensioniert!
  4. Der Anteil der Radler steigt stetig an!
  5. 60% Radleranteil am Modal Split geht nur mit der Diagonalquerung! -- Das Greifswalder Klimaschutzziel zur CO2 Reduktion muss ehrgeizig sein!

und die Erfahrungen der BI Mitglieder mit der eigenen Autoverkehrszählung anlässlich des Autoverkehrsversuchs der Verwaltung sollen diesmal diskutiert werden.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger, und insbesondere die Gegner dieser Baumaßnahme als Teil des Greifswalder Radwegekonzepts, sind willkommen!

Quelle: Stadtbauamt Greifswald






Wanderer wichtiger als Radler?

Nachdem die Insel Rügen im vergangenen Jahr ein Integriertes Verkehrskonzept erhielt, welches die Möglichkeit eines unentgeltlichen ÖPNV für die hochbelastete Region im Südosten der Insel prüfen möchte, geht man nun daran, das Konzept für ein Rad-, Reit- und Wanderwegenetz zu erstellen.

Natürliche Fortbewegungsarten, insbesondere der “Klassiker” Wandern, erleben eine Renaissance. So ergab eine jüngste Zielgruppenanalyse, dass Urlauber in erster Linie der einmaligen Natur wegen nach Rügen kommen. Wichtigste Zielgruppe nach Häufigkeit und Konsum sind dabei nicht etwa Wassersportler, sondern Wanderer gefolgt von Radfahrern. Dabei sei für die Wanderer entscheidend, dass sie – neben einem gut beschilderten Wegenetz, abwechslungsreicher Landschaft und attraktiven Aussichten – vor allem auf naturbelassenen Wegen gehen können.

Dabei jedoch würden Defizite drohen, warnte der mit der Durchführung beauftragte Fachbeirat auf seiner vergangenen Sitzung: Im touristischen Leitbild und Marketing der Insel werde Naturerlebnissen und –aktivitäten, insbesondere dem Wandern, nicht die Bedeutung beigemessen, die ihnen aufgrund der Zielgruppenanalyse zukommen müsste. Hier müsse „unbedingt eine Sensibilisierung der Entscheidungsträger erfolgen“, die „Mut zu einem klaren touristischen Profil“ beweisen müssten.

Und viele Gemeinden, insbesondere solche des Amtes Mönchgut-Granitz, würden noch immer Radfahrer und nicht Wanderer als Hauptzielgruppe ansehen, da sehr viele für den Wanderer attraktive Wege bereits befestigt wurden oder dies geplant sei. Wanderer würden aber nicht auf befestigten Wegen gehen, weiß Ingrid Lankenau vom Stralsunder Ingenieurbüro „Blau“, welches das Wegekonzept erstellt.

Im selben Maße, wie eine Gemeinde nun Wege und Landschaft versiegele, würde sie sich „eine große touristische Chance verbauen“. Gerade Rügens Biosphärenreservat bilde aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft und der Naturvielfalt mit langen abwechslungsreichen Küstenabschnitten und herrlichen Aussichten ideale Voraussetzungen für den Wandertourismus. Zudem seien naturbelassene Wanderwege in Herstellung und Pflege kostengünstig und benötigen lediglich nachvollziehbare Markierungen. Aus diesen Gründen sprach sich der Fachbeirat jetzt dafür aus, künftig dem Wandertourismus Vorrang vor dem Radtourismus einzuräumen und auch den Ausbau der Wege mit dieser Priorisierung zu empfehlen.

Radwege fehlen insbesondere in West- und Südrügen, weil es den dortigen Gemeinden schwerer fällt, die dafür notwendigen Mittel aufzubringen. Hier empfiehlt der Fachbeirat im Interesse der Erschließung des Marktes für die ganze Insel - schließlich kehre kein Gast an einer Gemeindegrenze um - einen solidarischen Ansatz, bei dem sich auch die Gemeinden der Ostseeküste an der Finanzierung im Westen beteiligen würden.

Uwe Driest

Quelle: niroworld/fotolia