Verkehrssicherheit
VCD Nordost aktuell

Metastudie belegt: Kiezblocks erhöhen Sicherheit und Lebensqualität in Berlin deutlich

Eine aktuelle wissenschaftliche Metastudie zur flächendeckenden Verkehrsberuhigung in Berlin zeigt klar: Kiezblocks sorgen für signifikant mehr Verkehrssicherheit, steigern die wahrgenommene Sicherheit der Anwohnenden und verbessern die Aufenthaltsqualität in den Quartieren erheblich. Angesichts dieser Evidenz fordert der VCD Nordost die sofortige Rücknahme des Finanzierungsstopps durch den Berliner Senat.

Im Auftrag der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin wurde die Wirkung, Wahrnehmung und gesellschaftliche Deutung flächendeckender Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in Berlin untersucht. Im Fokus stehen sogenannte Kiezblocks – innerstädtische Wohnquartiere, in denen der motorisierte Durchgangsverkehr durch Maßnahmen wie Poller, Modalfilter, Einbahnstraßen oder Diagonalsperren unterbunden wird.
Durchgeführt wurde die Studie vom Planungsbüro STRATMO. Die Datengrundlage umfasst Unfallanalysen, Befragungsdaten sowie Diskursauswertungen und verbindet damit quantitative und qualitative Methoden.

In punkto Verkehrssicherheit verzeichnet die Studie eindeutige Ergebnisse:

  • signifikanter Rückgang sämtlicher Verkehrsunfälle mit Personenschaden innerhalb der Kiezblocks
  • 25 Prozent weniger schwere Unfälle
  • auch angrenzende Hauptstraßen verzeichnen sinkende Unfallzahlen

Damit widerlegt die Studie ein häufig vorgebrachtes Argument: Verkehrsberuhigung führt nicht zu einer bloßen Verlagerung von Gefahren, sondern reduziert Unfallrisiken insgesamt.
Parallel dazu stieg die wahrgenommene Sicherheit laut Befragungen deutlich an – ein entscheidender Faktor für die selbstständige Mobilität von Kindern, für ältere Menschen und für alle, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Weitere signifikant positive Effekte der Verkehrsberuhigung waren die verringerte Lärmbelastung im unmittelbaren Wohnumfeld sowie eine insgesamt höhere Aufenthaltsqualität und stärkere Nutzbarkeit des öffentlichen Raums. 
Kiezblocks schaffen damit nicht nur Sicherheit, sondern ermöglichen auch mehr soziale Teilhabe im Quartier.
Zugleich leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Flächengerechtigkeit: Öffentlicher Raum wird neu verteilt – weg vom motorisierten Durchgangsverkehr, hin zu mehr Lebensqualität.
Auch international ist die Wirkung vergleichbarer Maßnahmen gut belegt – so etwa in Barcelona, Paris oder Brüssel.

Die Diskursanalyse der Studie zeigt typische Konfliktlinien in der öffentlichen Debatte auf. Diese betrafen insbesondere den Parkdruck, die Bedürfnisse des Lieferverkehrs sowie zu Tage tretende Nutzungskonflikte zwischen Rad- und Fußverkehr.
Daraus folgt eindeutig: Verkehrsberuhigung braucht transparente Kommunikation und echte Beteiligung. 
Genau das fordert der VCD seit Jahren: Anwohnende und Gewerbetreibende müssen von Beginn an einbezogen werden – Verkehrsplanung darf nicht im Hinterzimmer stattfinden.
Trotz der klaren wissenschaftlichen Evidenz hat der Berliner Senat die Finanzierung weiterer Kiezblock-Maßnahmen gestoppt. Seit Mai vergangenen Jahres stehen die Bezirke dadurch vor erheblichen Umsetzungsschwierigkeiten.
Für den VCD Nordost ist klar: Diese Entscheidung ist fachlich nicht haltbar.

„Die wissenschaftliche Evidenz liegt nun schwarz auf weiß vor: Kiezblocks erhöhen die Verkehrssicherheit, verbessern die Lebensqualität und sorgen für mehr Flächengerechtigkeit. Wir fordern den Berliner Senat auf, den Finanzierungsstopp umgehend zurückzunehmen und zu einer faktenbasierten Argumentation zurückzukehren – statt weiterhin eine rein autozentrierte Ideologie in den Mittelpunkt politischen Handelns zu stellen“ betont Judith von Falkenhausen, Sprecherin des VCD Nordost.

 

Die vorliegende Studie zeigt: Kiezblocks sind keine ideologische Maßnahme, sondern ein wirksames Instrument moderner, sicherer und gerechter Stadtentwicklung. Berlin braucht jetzt den politischen Willen, diese Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

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