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VCD Nordost aktuell
Ein sonniger Maientag, drei Stadtteile, drei Einsätze: Der VCD Nordost war am Samstag, den 9. Mai 2026, gleich an drei verschiedenen Orten in Berlin präsent – und hat dabei für sichere Radwege, den Erhalt wertvoller Natur- und Infrastrukturflächen sowie das Recht von Kindern auf Verkehrssicherheit eingestanden.
Die einzige Fahrraddemo für Erwachsene an diesem Wochenende führte durch die Berliner Allee in Weißensee – und machte mit rund 150 bis 200 Teilnehmenden und einer Strecke von rund 22 Kilometern deutlich: Viele Menschen wollen hier endlich Veränderung. Organisiert von der Bürgerinitiative Berliner Allee, ergriff VCD-Nordost-Landesvorsitzender Heiner von Marschall bei der Startkundgebung am Antonplatz das Wort.
Die Berliner Allee ist offiziell Teil der B2, gleichzeitig aber das lebendige Ortsteilzentrum von Weißensee mit Einkaufen, Gastronomie und viel Fußverkehr. Dieser Widerspruch ist der Kern des Problems – zuletzt veranschaulicht durch einen Tramunfall, bei dem ein achtjähriges Kind verletzt wurde: Wer die Straße quert, achtet vor allem auf Autos und übersieht dabei die Bahn. Die Forderung des VCD: Kfz-Durchgangsverkehr raus aus der Berliner Allee – und Bundesstraßen generell über die vorhandenen Umgehungsachsen (A100/A114) um das Stadtzentrum herum.
Das Zukunftsbild des VCD Nordost: breite Gehwege, mehr Bäume, Außengastronomie, sichere Querungen – und auf der verbleibenden Fahrspur Platz für Rad und Anliegerverkehr. Dieses Bild will der VCD in den nächsten Monaten gemeinsam mit der Bürgerinitiative Aktion Berliner Allee konkret ausarbeiten und zur Diskussion stellen.
Bereits zum zweiten Mal lud die BI Wuhlheide unter dem Motto „Kühler Wald statt heißer Asphalt“ zum Wuhlheidefest – und nach rund 1.000 Besucher*innen beim Auftakt 2025 war die Resonanz in diesem Jahr erneut stark. Neben Sport, Musik, Essen und Trinken sowie Führungen durch das wertvolle Naturgebiet gab es auf der Bühne Gespräche mit Naturschutzexpert*innen, Politikverantwortlichen und Verkehrsplanenenden über die Zukunft der Wuhlheide.
Im Rahmen des Bündnisses Schiene vor TVO war der VCD Nordost mit einem gut besuchten Infostand präsent – betreut von Geschäftsführer Daniel Zimmermann und weiteren Aktiven.
Mit über 150 Teilnehmenden – fast doppelt so vielen wie erwartet – rollte die Kidical Mass Schöneberg, organisiert durch unseren Bündnispartner ADFC Berlin, durch den Bezirk. Familien mit Kindern demonstrierten gemeinsam mit dem ADFC Berlin für sichere Schulwege, Tempo 30 und bessere Radinfrastruktur. Der VCD Nordost war mit einer Zwischenkundgebung am Sachsendamm dabei – und nutzte sie, um auf eine konkrete und akute Gefährdung hinzuweisen: den drohenden Wegfall der Jugendverkehrsschule (JVS) am selben Ort.
VCD-Sprecherin Judith von Falkenhausen – selbst Mutter dreier Grundschulkinder und ehrenamtlich im Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf aktiv – erklärte, warum der Standort nicht ersetzbar ist: Das Grundstück gehört der Familie Krieger (Möbel Höffner), der Nutzungsvertrag läuft bis 31. Juli 2026, ein Alternativstandort existiert nicht. Seit 2022 erkämpft sich die JVS jährlich nur einen kurzfristigen Aufschub – und die Reichweite des Problems geht weit über Schöneberg hinaus: Familien aus Steglitz-Zehlendorf weichen bereits jetzt hierher aus, weil ihre eigene JVS personell am Limit ist.
Dabei steht mehr auf dem Spiel als ein einzelner Übungsplatz: Verkehrserziehung ist im Berliner Schulgesetz als Bildungsauftrag verankert, die Radfahrprüfung in Klasse 4 Pflicht. Dass der Bedarf wächst, belegen die Zahlen: Die Berliner Polizei verzeichnete 2025 elf Prozent mehr Unfälle mit Kindern und 18 Prozent mehr mit Jugendlichen im Straßenverkehr. Je früher Kinder sicher fahren lernen, desto größer die Chance, dass sie das Fahrrad ihr Leben lang nutzen – auch im Alltag und auf dem Schulweg.
Der VCD Nordost fordert den dauerhaften Erhalt des JVS-Standorts am Sachsendamm – keine weiteren Jahresverlängerungen, sondern eine gesicherte Perspektive. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist gefordert, endlich eine echte Lösung zu suchen; die Eigentümerin, Verantwortung zu übernehmen. Verkehrssicherheit für Kinder ist kein Nice-to-have – sie ist gesetzlicher Auftrag.
Ob Fahrraddemo durch Weißensee, Infostand in der Wuhlheide oder Kidical Mass in Schöneberg – der VCD Nordost war am 9. Mai 2026 überall dort präsent, wo es um nachhaltige Mobilität, den Schutz urbaner Naturräume und die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmenden geht. Die Resonanz war durchweg stark: Engagement auf der Straße, Gespräche am Infostand und eine Kidical Mass, die die Erwartungen weit übertroffen hat.
Alle drei Aktionen stehen für eine gemeinsame Überzeugung: Eine Stadt, die für alle funktioniert, braucht mutige Entscheidungen – für den Umweltverbund, gegen überdimensionierte Autoinfrastruktur und für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr. Der VCD Nordost wird diese Themen weiterverfolgen – auf der Straße und in der Politik.