Pressemitteilung
VCD Nordost aktuell

Pressemitteilung: Torstraße: VCD fordert Entflechtung der Verkehrsarten für Aufenthaltsqualität und Klimaresilienz

„Die vorhandene starke Dominanz des Autos im Straßenraum noch weiter zu verstärken und dafür alle anderen Verkehrsarten noch weiter an den Rand zu drängen – das ist keine Mobilität für alle, sondern Auto-Ideologie pur“, sagt Heiner von Marschall, Landesvorsitzender des VCD Nordost. 

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) Nordost kritisiert die neuen Planungen des Senats zur Torstraße als verkehrspolitischen Rückschritt. Nach den aktuell vorliegenden Entwürfen soll die Straße künftig vierspurig erhalten und weiter für den motorisierten Verkehr optimiert werden. Gleichzeitig soll ein Gehweg drastisch geschmälert werden, rund 40 Straßenbäume gefällt und Radwege auf Kosten der Fußgänger*innen verlegt werden.

„Vier durchgängig nutzbare Fahrspuren in einer belebten Innenstadtstraße werden den Verkehr nicht flüssiger machen, sondern noch mehr Autos in die Innenstadt locken“, so von Marschall weiter. „Mehr Kfz-Verkehr, weniger Bäume und schmalere Gehwege – das gefährdet Menschen, verschlechtert das Stadtklima und ist mit den eigenen Klimazielen der Stadt schlicht unvereinbar.“

VCD Nordost fordert Entflechtung der verschiedenen Verkehrsarten

Der VCD Nordost fordert stattdessen eine Entflechtung der Verkehrsarten anstelle der erneuten Bevorzugung des Autoverkehrs: Entflechtung heißt, nicht nur eine Straße isoliert zu betrachten, in der dann alle Verkehrsarten zusammenkommen – und dadurch miteinander in Konflikt geraten. Stattdessen sollte ein Stadtraum übergreifend danach begutachtet werden, welche Straßen welche Funktion innehaben (oder haben sollten), um abhängig davon der entsprechenden Verkehrsart an dieser Stelle den Vorrang einzuräumen. Das ist auch der eigentliche Sinn der Vorrangnetze im Berliner Mobilitätsgesetz.

Die Torstraße ist gerade rund um den Rosenthaler Platz ein lebendiges Stadtzentrum mit Gastronomie und Geschäften – deshalb sollte hier insbesondere dem Fußverkehr Vorrang eingeräumt werden: mit breiten Gehwegen, mehr Aufenthaltsqualität und Platz für Begrünung. Auch Außengastronomie belebt den öffentlichen Raum und ist Teil einer lebenswerten Innenstadt. Und in einem derart belebten Umfeld müssen insbesondere die Querungsmöglichkeiten verbessert werden; das heißt, die asphaltierte Verkehrsschneise in der Mitte sollte schmaler und nicht breiter werden. 

„Wir brauchen keine vierspurige Durchgangsstraße mitten im Zentrum, sondern eine Stadtstraße, die den Menschen dient“, betont Judith von Falkenhausen, Sprecherin des VCD Nordost. „Das bedeutet: sichere Querungen, weniger Kfz-Spuren und reichlich Platz für Fußverkehr, Lieferzonen und Bäume.“

Natürlich müssen auch solche Zentren für Kfz, insbesondere den Wirtschaftsverkehr, erreichbar sein und befahren werden können. Aber bezirksübergreifender Durchgangsverkehr sollte um solche urbanen Zentren herumgeführt werden anstatt sie zu durchschneiden. 

Statt zusätzlicher Fahrspuren braucht die Torstraße feste Liefer- und Servicezonen sowie Haltepunkte für Taxis und private Kfz. Ein solcher „Mehrzweckstreifen“ könnte in kürzeren Abständen auch von Gehwegvorstreckungen unterbrochen werden, um Querungsbreiten zu verringern und so den Fußverkehr komfortabler und sicherer zu machen. Der viel genutzte Taxistand am Rosenthaler Platz muss unbedingt erhalten bleiben; Dauerparkplätze müssen dahinter zurückstehen.

Zudem könnte in der Torstraße Fläche entsiegelt werden, um die derzeit sichtbar zu kleinen Baumscheiben zu vergrößern und den vorhandenen Bäumen ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. „Eine Million Straßenbäume für Berlin hat die Koalition gerade beschlossen. Aber stattdessen werden hier Bäume gefällt.“, sagt Gregor Altmann vom Vorstand des VCD Nordost. „Grün- und Verkehrsplanung müssen zusammen gedacht werden – nicht gegeneinander. Hier in der Torstraße kann und sollte man gleich damit beginnen.“

Auch Vorrangrouten für den übergreifenden Fahrradverkehr sollten nicht mitten durch das Zentrum führen, sondern möglichst eng daran vorbeigeführt werden. Dafür bieten sich hier parallele Straßen wie die Linienstraße an, die bereits als Fahrradstraße ausgewiesen ist. Damit diese ihre Funktion wirklich erfüllen kann, muss wenigstens eine der vorhandenen Parkspuren zugunsten des Radverkehrs umgewidmet und an beiden Enden – an der Oranienburger Straße und an der Karl-Liebknecht-Straße – sichere Ein- und Ausfahrmöglichkeiten für Radfahrende geschaffen werden. Ob für den reinen Ziel- und Quellverkehr in einer so beruhigten Torstraße noch eigene Radverkehrsanlagen nötig sind oder ob bedarfsgerechte Fahrradabstellanlagen ausreichen, wird man sehen können.

VCD-Forderungen im Überblick:

  • Stopp der Baumfällungen, Entsiegelung, Vergrößerung der Baumscheiben und Neubewertung der Planung unter Klima-, Umwelt- und Sicherheitsaspekten
  • Vorrang für Fußverkehr mit breiteren Gehwegen, Platz für Begrünung, Außengastronomie und sichere Querungen
  • Rückbau von Fahrspuren und festgelegte Lieferzonen
  • Halteplätze zum Ein- und Aussteigen, Erhalt des Taxistandes am Rosenthaler Platz
  • Kapazität und Funktionalität der Fahrradstraße in der Linienstraße deutlich erhöhen statt Radführung auf Gehwegen
  • transparente Bürgerbeteiligung mit Bezirken, Anwohnenden und Umweltverbänden

zurück