VCD Nordost aktuell
Berlin, den 11.03.2026 –
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Nordost und das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf fordern die sofortige Wiedereröffnung der Jugendverkehrsschule (JVS) Zehlendorf sowie eine verlässliche Finanzierung beider Standorte im Bezirk. Anlass ist die seit Monaten andauernde Schließung der JVS Zehlendorf wegen Personalmangels – ausgerechnet zu Beginn der Fahrradsaison, in der alle Berliner Viertklässlerinnen und Viertklässler ihre praktische Radfahrprüfung ablegen.
Kurzfristig fordern VCD Nordost und das Netzwerk Schulwegsicherheit effektive Zwischenlösungen: Zusätzliche Öffnungszeiten am Standort Steglitz – etwa an Samstagen – könnten Familien vorübergehend mehr Raum für notwendige Übungsfahrten geben. Ebenso wäre es sehr hilfreich, die Öffnungszeiten am Nachmittag abwechselnd auf beide Standorte aufzuteilen; so hätten Zehlendorfer Grundschüler*innen übergangsweise zumindest in jeder zweiten Woche die Möglichkeit, sich angemessen auf ihre praktische Radfahrprüfung vorzubereiten.
Im Berliner Südwesten gibt es grundsätzlich zwei Jugendverkehrsschulen: eine in Steglitz und eine in Zehlendorf. Für viele Familien liegen zwischen beiden Standorten rund 30 Minuten Wegzeit mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Dennoch ist die Anlage in Zehlendorf seit dem vergangenen Herbst geschlossen – und wird es bis auf Weiteres auch bleiben, wie der freie Träger „Wendepunkt gGmbH“ bestätigt. Damit muss die JVS in Steglitz aktuell allein den gesamten Betrieb für den Bezirk auffangen.
Doch auch dieser Standort ist bislang ausschließlich unter der Woche und immer nur bis maximal 18 Uhr geöffnet (bis zum 28.02. war sogar bereits um 16:30 Uhr Betriebsschluss) – Wochenendöffnungszeiten, wie beispielsweise in Mitte oder Pankow, gibt es hier keine. Für viele berufstätige Eltern wird es damit faktisch unmöglich, ihre Kinder zu den notwendigen Übungsfahrten zu begleiten.
Auf Nachfrage erläutert der Träger: Den Betrieb in Steglitz halte derzeit eine knappe Handvoll Mitarbeitende aufrecht. Um beide Standorte regulär betreiben zu können, wäre etwa doppelt so viel Personal erforderlich. Finanziert würde die JVS über Mittel des Jobcenters sowie eine Co-Finanzierung durch Bezirk und Senatsverwaltung – letztere reiche aktuell jedoch bei weitem nicht aus.
„Die Jugendverkehrsschulen tragen entscheidend dazu bei, dass Kinder defensives und sicheres Radfahren im immer dichter werdenden innerstädtischen Verkehr erlernen. Wenn einer von zwei Standorten im Bezirk über Monate geschlossen bleibt, geraten diese wichtigen Lernangebote massiv unter Druck“, kritisiert Judith von Falkenhausen, Sprecherin des VCD Nordost.
„Das Berliner Mobilitätsgesetz hat als Leitlinie die Vision Zero festgeschrieben – niemand soll mehr im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden. Wenn Kinder das sichere und selbstständige Radfahren nicht mehr lernen können, weil das Geld fehlt, ist das ein Armutszeugnis für die Berliner Verkehrspolitik.“
Dieser Bildungsauftrag ist fest im Berliner Schulgesetz verankert: Verkehrs- und Mobilitätserziehung gelten als besondere Bildungs- und Erziehungsaufgabe. In Jahrgangsstufe 4 absolvieren alle Grundschülerinnen und Grundschüler im Rahmen des Sachunterrichts eine theoretische und eine praktische Radfahrprüfung – dieser gehen in aller Regel mehrere Übungsfahrten in der JVS voraus. Zudem legen die jeweiligen Lehrkräfte fest, wie viele private Besuche in der JVS vor dem Ablegen der praktischen Prüfung notwendig sind.
Dass diese Ausbildung so wichtig ist, belegen auch aktuelle Zahlen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde im Jahr 2024 in Deutschland alle 19 Minuten ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet. Besonders häufig verunglückten Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren mit dem Fahrrad.
Carmen Ebeling vom Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf ergänzt:
„Die monatelange Schließung der Jugendverkehrsschule in Zehlendorf zeigt, dass Verkehrssicherheit für Kinder in dieser Stadt nicht die Priorität bekommt, die sie verdient. Wenn Politik und Verwaltung wollen, dass junge Menschen sicher und selbstständig unterwegs sind, müssen sie auch die dafür notwendige Infrastruktur sicherstellen – Verkehrssicherheit für Kinder darf nicht an fehlendem Personal oder knappen Haushaltsmitteln scheitern.“
