Radverkehr,
Pressemitteilung
VCD Nordost aktuell
Berlin, den 05. Mai 2026 –
Der VCD Nordost fordert die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) auf, die geplante Streichung der kombinierten Rad- und Busspur auf der Bundesstraße "Unter den Eichen" im Bezirk Steglitz-Zehlendorf sofort zu stoppen:
Erstmals in Berlin soll eine bewährte Infrastruktur für Radfahrende und den ÖPNV aktiv zurückgebaut werden – einzig und allein, um eine zusätzliche Kfz-Fahrspur zu gewinnen.
Die Folgen: erheblicher Sicherheitsverlust für Radfahrende und Fußgänger*innen sowie vier Buslinien, die künftig permanent im Stau stehen werden.
Hintergrund: Ende April erhielt das Bezirksamt Post von der Senatsverwaltung mit der Information, dass die seit 2022 bestehende Rad- und Busspur auf der Bundesstraße "Unter den Eichen" unterhalb des Steglitzer Kreisels zeitnah zurückgebaut werden soll. An ihre Stelle soll künftig ein kombinierter Geh- und Radweg treten.
Der separate Rad- und Busstreifen ist die beste verfügbare Lösung für alle: Radfahrende Erwachsene und Kinder (im unmittelbaren Umfeld befinden sich u.a. zahlreiche Schulen!) bewegen sich dort allzeit sicher und getrennt vom Fuß- und Kfz-Verkehr; vier stark genutzte Buslinien können zu jeder Tageszeit zügig in Richtung Zehlendorf fahren, ohne im Stadtverkehr festzustecken. Dieses effektive System soll nun beseitigt werden – lediglich damit Autofahrende stadtauswärts künftig ein paar Minuten einsparen können.
Der vorhandene alte Hochbordradweg ist in seinem aktuellen Zustand allerdings nicht befahrbar: Baumwurzeln haben den Belag an zahlreichen Stellen so stark angehoben, dass er einer Buckelpiste gleicht; mit durchschnittlich nur einem Meter Breite unterschreitet er zudem jede sinnvolle Mindestanforderung. Das Bezirksamt selbst stuft ihn daher als „nicht verkehrssicher“ ein – Verkehrsstadtrat Urban Aykal (Grüne) hat den Senat bereits entsprechend informiert.
Trotz dieser Tatsache sollen Radfahrende und Fußgänger*innen sich laut Planung der Verkehrsverwaltung künftig denselben Gehweg teilen – einen Gehweg, der an seiner breitesten Stelle gerade einmal 1,80 m misst und sich vor dem Nadelöhr am Botanischen Garten noch deutlich weiter verengt. Das ist kein Nebeneinander, sondern eine Situation, die Konflikte und Unfälle geradezu heraufbeschwört.
Ebenso gravierend ist die Konsequenz für den öffentlichen Nahverkehr: Vier gut frequentierte Buslinien nutzen die bestehende Busspur in Richtung Süden. Fällt diese weg, müssen die Busse künftig im allgemeinen Kfz-Verkehr fahren – mit absehbaren und dauerhaften Verspätungen.
Perspektivisch plant die Verkehrsverwaltung eine komplette Neugestaltung der B1 auf 2,8 Kilometern Länge; im Haushalt ist dafür ein zweistelliger Millionenbetrag ausgewiesen. Auf ihrer Website formuliert die SenMVKU selbst als oberstes Ziel: „Im Vordergrund steht dabei eine verbesserte Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden.“
Nimmt man die Verwaltung beim Wort, dann ist der geplante Rückbau schlicht nicht zu erklären, erläutert Judith von Falkenhausen, Sprecherin des VCD Nordost:
„Eine sichere, funktionsfähige Infrastruktur für Radfahrende und Busse zu beseitigen und stattdessen auf einem 1,80 Meter breiten Gehweg erhebliches Konfliktpotenzial zu schaffen – das ist das schlichte Gegenteil von verbesserter Verkehrssicherheit.“
Dass die bekannt gewordenen Pläne auf breite Kritik stoßen, zeigte sich am vergangenen Wochenende: Ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen demonstrierte lautstark gegen das Vorhaben von Verkehrssenatorin Ute Bonde.
„Was die Senatorin hier plant, ist ein gefährlicher Präzedenzfall: Zum ersten Mal in Berlin soll eine funktionierende Rad- und Businfrastruktur aktiv zurückgebaut werden – einzig und allein, damit Autofahrende ein paar Minuten gewinnen. Das ist kein pragmatischer Kompromiss, das ist eine ideologische Entscheidung zu Lasten aller, die nicht mit dem Auto unterwegs sind,“ so von Falkenhausen weiter.
Als verkehrsartenübergreifender Mobilitätsverband fordert der VCD Nordost den Senat auf, den Rückbau zu stoppen und gemeinsam mit Bezirk und Zivilgesellschaft nach echten Lösungen zu suchen, die sämtliche Verkehrsarten im Blick haben – und nicht einzelne gegeneinander auszuspielen.