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VCD Nordost aktuell
Trotz klarer Faktenlage will die Senatsverkehrsverwaltung Tempo 30 in der Steglitzer Albrechtstraße zurücknehmen – ausgerechnet auf einem Schulweg, den täglich hunderte Kinder nutzen.
Eltern, Schulen und der VCD Nordost widersprechen entschieden und fordern: Schulwegsicherheit muss Vorrang haben!
In der Steglitzer Albrechtstraße prallt politische Symbolik derzeit hart auf die alltägliche Realität hunderter Kinder und Jugendlicher. Die CDU-geführte Senatsverkehrsverwaltung will dort die bestehenden Tempo-30-Regelungen zurücknehmen – und beruft sich dabei auf amtliche Verkehrszählungen, die bereits beim ersten Hinsehen äußerst befremdlich wirken.
25 Kinder laut Senat – über 900 laut Eltern
Als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Oda Hassepaß (Grüne) im Berliner Abgeordnetenhaus erklärte die Verwaltung, am 21. Mai 2025 zwischen 7:30 und 8:20 Uhr nur insgesamt 25 Schulkinder gezählt zu haben. Auf dem Papier genügte diese Zahl, um den Abschnitt zwischen Robert-Lück-Straße und Neue Filandastraße nicht als hochfrequentierten Schulweg einzustufen – und damit Tempo 30 für diesen Straßenabschnitt aufzuheben.
Irritiert durch diese Zahlen, die dem täglichen Erleben zahlreicher Kinder (und Eltern) diametral entgegenstanden, veranlasste das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf, ein Zusammenschluss von Ehrenamtlichen aus über 20 Schulen im Bezirk und offizielle AG des Bezirkselternausschusses (BEA), Ende November eine eigene Zählung.
Gezählt wurde an vier Punkten des Straßenzugs. Hier ergab sich nun ein gänzlich anderes Bild:
Die Ehrenamtlichen haben an zwei unterschiedlichen Wochentagen nachgezählt – und kamen auf insgesamt 781 Kinder am Dienstag und sogar 943 (!) Schüler*innen am Freitag, die allesamt zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zur Schule waren.
In unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Rathaus Steglitz (Ecke Robert-Lück-Straße) waren es die meisten: dichte Ströme junger Menschen, die sich durch den Morgen bewegen – sichtbar, hörbar, unübersehbar.
Die Regelungslücke im Schulwegschutz
Der Konflikt um die Albrechtstraße zeigt, wie unzureichend die bisherigen Möglichkeiten zur Tempo-30-Anordnung an Schulwegen waren. Lange durfte die Begrenzung nur direkt vor dem Schultor gelten – eine Logik, die weder Alltagserfahrungen noch Verkehrswirklichkeit abbildet.
Mit der jüngsten Novelle der Straßenverkehrsordnung wurde endlich festgelegt, dass auch hochfrequentierte Schulwege geschützt werden können, selbst wenn das Schultor nicht direkt an der Straße liegt. Dieser Fortschritt wurde parteiübergreifend unterstützt – auch von der CDU im Bundesrat.
Umso irritierender wirkt es nun, dass genau dieser Schutz im Fall der Albrechtstraße kaum Beachtung findet.
Breiter Wunsch nach Sicherheit – und ein Rückschritt
Die Albrechtstraße wurde in den vergangenen Jahren schrittweise sicherer gestaltet. Fast durchgängig entstanden Radwege; nur der kurze Abschnitt zwischen Filandastraße und Robert-Lück-Straße blieb ohne Radinfrastruktur. Hier galt Tempo 30 – zunächst aus Gründen der Luftreinhaltung, da vor der StVO-Novelle an dieser Stelle die Schulwegsicherheit nicht als Begründung ausreichte.
Nun, da die Luftwerte vor Ort sich verbessert haben, nutzt die aktuelle Verkehrsverwaltung genau dies, um den Schutz der Schulkinder durch Tempo 30 aufzuheben. Dass dort täglich mehrere hundert Kinder unterwegs sind, scheint politisch zweitrangig.
Das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf hat hierzu bereits eine Unterschriftenliste für einen Einwohnerantrag gestartet, der die Rücknahme des Aufhebungsbeschlusses für den genannten Straßenabschnitt verlangt.
Was der VCD Nordost fordert
Als ökologischer Verkehrsclub, der sich seit Jahrzehnten für sichere Mobilität einsetzt, sagen wir deutlich:
Tempo 30 muss bleiben. Und zwar aus dem einfachsten Grund der Welt – weil Kinder geschützt werden müssen!
„Wenn morgens fast tausend Kinder zu Fuß und mit dem Rad durch die Albrechtstraße unterwegs sind, dann braucht es keine Rechentricks, sondern Verantwortung. Die Senatsverkehrsverwaltung muss Tempo 30 sofort wieder anordnen – alles andere blendet die Wirklichkeit aus und gefährdet Kinder auf ihrem täglichen Weg zur Schule“, sagt Judith von Falkenhausen, Sprecherin des VCD Nordost und Mitglied des Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf.
„Berlin braucht eine Verkehrspolitik, die sich an realen Zahlen orientiert statt an parteipolitischen Konstruktionen. Insbesondere Schulwegsicherheit darf nicht zum Spielstein ideologischer Auseinandersetzungen werden. Die Fakten liegen auf dem Tisch – und sie verlangen ein unverzügliches Handeln im Sinne der betroffenen Kinder.“