Bus & Bahn
VCD Nordost aktuell
Mit der im Frühjahr 2023 von Mecklenburg-Vorpommern gestarteten Mobilitätsoffensive für Bahnen und Busse gehört auch ein flächendeckendes Rufbussystem in den Landkreisen als wesentlicher Bestandteil dazu. Vorreiter bei diesem Angebot war seit 2019 die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), die 2024 immerhin mehr als 121.000 Fahrten in ihren Kleinfahrzeugen registrieren konnte. Für VCD-Aktive aus dem Landesverband Nord war das im Juli 2025 Anlass, für einen Konzertbesuch das bereits etablierte Rufbusangebot im Landkreis Ludwigslust-Parchim zu nutzen. Leider gab es bei der Buchung auch eine Ernüchterung, da mehrfach der Hinweis gegeben wurde, dass die Fahrten bereits ausgebucht sind. Für den VCD Nordost und Nord besteht hier ein Nachsteuerungsbedarf, da auch für Rufbusfahrten eine Beförderungspflicht bei einer Anmeldung besteht.
Nachfolgend der Erfahrungsbericht von Alexander Montana (Vorstand VCD Nord):
„Am Sonnabend, den 19. Juli am Nachmittag wollte ich ein Konzert in einer Kirche in Ruchow bei Sternberg besuchen. Theoretisch ist das kleine Dorf stündlich erreichbar, was mir zunächst positiv auffällt. In der Praxis gab es jedoch bereits zwei Tage vor dem Konzert gar keine Fahrtmöglichkeit. Weder über die verfügbaren Apps noch am Telefon konnte ein Rufbus gebucht werden. Auf telefonische Nachfrage meinten die Mitarbeiter des zuständigen Verkehrsunternehmens VLP, dass an Wochenenden oft Fahrten ausgebucht seien und eine Buchung eine Woche vorher zu empfehlen sei. Leider sind in den Auskuftssystemen ausgebuchte Fahrten weiterhin abrufbar und man kann auch nicht nach früheren oder späteren Fahrten suchen lassen. Nutzer müssen jede Fahrt wieder von vorne mit Einstiegs- und Ausstiegshaltestelle sowie Datum und Uhrzeit eingeben. Das gilt sogar für die Disponenten der VLP am Telefon. Ich hatte bei meiner Anreise nach Ruchow Glück, es gab noch einen Linienbus im 2-Stundentakt in die Nähe des Konzertortes. Nach einer Busfahrt und Wanderung von 5 km konnte ich mein Ziel erreichen. Da jedoch am ganzen Abend - auch zwei Tage im voraus - kein Rufbus mehr buchbar war, musste ich privat einen Transfer organisieren. Ich bat meinen Gastgeber aus Goldberg, mich mit dem Auto in Ruchow abzuholen. Zum Glück war dieser dazu bereit, ansonsten hätte ich das Quartier wieder stornieren müssen und der Konzertbesuch wäre gar nicht möglich gewesen. Ein Taxi für die 20 km lange Strecke hätte rd. 85 Euro gekostet. Positiv sei anzumerken, dass für den Sonntag ein VLP-Rufbus für die Weiterreise gebucht werden konnte. So besuchte ich mit dem Saisonverkehr auf der Südbahn noch Malchow und Plau am See und hatte letztlich ein gelungenes Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern. Auf Nachfrage im Rufbus bestätigte mir auch die Fahrerin die Engpässe bei der Verfügbarkeit der Fahrzeuge.
Diese Stichprobe macht deutlich, wie wichtig die Verlässlichkeit und Verfügbarkeit von Rufbussen für Gäste ohne Auto, aber vor allem für die einheimische Bevölkerung ist. Auf der Heimfahrt bekam ich noch mit, wie ein verzweifelter gehbehinderter Fahrgast im Zug nach Schwerin eine Anschlussfahrt nach Camps buchen wollte. Es hieß, es seien an dem Tag keine Fahrten mehr verfügbar - somit musste der Fahrgast 6 km zu Fuß gehen. Seit Einführung des Deutschlandtickets und des Wegfalls der Komfortzuschläge von 1 Euro pro Rufbusfahrt ist offensichtlich die Nachfrage stark angestiegen - und damit auch die Kosten. Der Zuschussbedarf je Fahrt ist hoch und die Mittel des Landes begrenzt. Daher besteht dringender Handlungsbedarf, um die Zuverlässigkeit des Rufbussystems wieder herzustellen. Ich habe mich bei meiner Anreise nach Ruchow gefragt, warum Rufbusse und Linienbusse im Wechsel von Schwerin nach Sternberg fahren. Ich schlage als Fahrgastvertreter vor, dort nur noch Linienbusse verkehren zu lassen. Die frei werdenden Rufbuskapazitäten sollten dann im Zubringerverkehr zur Buslinie organisiert werden. Generell rege ich an, kleine Dörfer an Wochenenden nicht mehr stündlich in die Fahrplanauskunft zu setzen. Wenn das sowieso nicht funktioniert, sollte man lieber fünf bis sechs Fahrten vorsehen, die dann aber auch garantiert werden.“