
Heiner von Marschall beschreibt seinen Weg vom Elternvertreter für sichere Schulwege zum langjährigen Landesvorsitzenden des VCD Nordost. Sein Ziel für die Verbandsarbeit lautet, sichtbar zu sein und als wirksam wahrgenommen zu werden. Wegen begrenzter haupt- und ehrenamtlicher Ressourcen müsse der Verband allerdings klar priorisieren und auch Projekte absagen. Politisch wolle der VCD mit allen demokratischen Parteien im Gespräch bleiben, zugleich aber auf intern abgestimmten Positionen bestehen.
Im Mittelpunkt seiner verkehrspolitischen Argumentation steht die Verteilung des öffentlichen Raums. Fläche sei die eigentliche „Währung“ der Verkehrspolitik, und das Auto sei gemessen an der Zahl der transportierten Menschen besonders ineffizient. Weniger Autoverkehr begründet er daher nicht mit „Autohass“, sondern mit Verkehrssicherheit, Gesundheit, sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und begrenztem Platz.
Heiner plädiert für eine adressatengerechte Kommunikation: Gegenüber linken Milieus argumentiert er eher mit Gerechtigkeit, gegenüber konservativen und liberalen Gesprächspartnern mit Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Emotionale Konfrontation hält er für wenig hilfreich.
Das Auto erkennt er für bestimmte Wege, Transporte und den ländlichen Raum als sinnvoll an. Entscheidend sei nicht, Menschen sofort zur Abschaffung zu drängen, sondern bei der nächsten Ersatzentscheidung die Frage zu stellen: Brauche ich überhaupt wieder ein eigenes Auto? Elektroautos seien zwar lokal sauberer, lösten aber weder Flächenverbrauch noch Staus. Carsharing bewertet er positiver, weil Fahrzeuge besser ausgelastet werden.
Für den ÖPNV fordert er zwei Dinge: eine Mobilitätsgarantie mit verbindlichen Mindeststandards und langfristige Preisstabilität, besonders beim Deutschlandticket. Dessen Erfolg beruhe nicht nur auf dem Preis, sondern auch auf seiner Einfachheit. Damit Menschen dauerhaft auf ein eigenes Auto verzichten, müssten Angebot und Kosten verlässlich kalkulierbar sein.
Seine Grundthese lautet: Die Mobilitätswende wird wegen Flächenknappheit, Bevölkerungsentwicklung und Klimafolgen ohnehin kommen. Die Aufgabe der Verbände sei, sie schneller, sozialer und praktikabler zu gestalten.