VCD Nordost aktuell
Der öffentliche Raum in unseren Städten ist eine knappe Ressource. Trotzdem wird ein erheblicher Teil der Straßenfläche für den fließenden und ruhenden Autoverkehr vorgehalten. Ein einzelner Parkplatz mag unscheinbar wirken. Zusammengenommen prägen Tausende solcher Flächen jedoch das Erscheinungsbild unserer Umgebung und begrenzen die Möglichkeiten, Straßen anders zu nutzen. Dabei brauchen Städte dringend mehr Platz für Menschen: für sichere Fuß- und Radwege, für Bäume und Grünflächen, für Begegnung und Aufenthalt, für spielende Kinder und für ein Wohnumfeld, in dem sich möglichst viele Menschen wohlfühlen können. Eine nachhaltige Verkehrspolitik muss deshalb fragen, wie viel Raum wir dem Autoverkehr zugestehen und welche Alternativen wir schaffen wollen.
Deswegen haben wir am Freitag, dem 18. September, die Berliner Straße zwischen Grunewaldstraße und Prinzregentenstraße von 15 bis 21 Uhr für einen Park(ing) Day stillgelegt.
Statt ausschließlich Autos und Parkplätzen Raum zu geben, verwandelten wir einen Teil der Straße in einen Ort für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven.
Mit dabei waren der ADFC / City West, der ADFC Schöneberg, das Netzwerk Fahrradfreundliches Schöneberg, der Verkehrsentscheid, Fridays for Future und Greenpeace. Daneben gab es über zwanzig dezentrale Parkings. Gemeinsam haben wir erlebt, dass Straßen mehr sein können als Verkehrswege und Abstellflächen.


Die Radverkehrsanlage in der Grunewaldstraßein Schöneberg, die unter starker Einbeziehung der IHK Berlin auch für die Belange des Wirtschaftsverkehrs angelegt wurde, endet aktuell an der Bezirksgrenze. Für den Weiterbau in die Berliner Straße in Wilmersdorf hat der Senat die Planung deutlich zusammengestrichen. Dies ist exemplarisch für die aktuelle Mobilitätspolitik in Berlin, die sich dringend ändern muss. Deshalb kamen wir vom VCD Nordost mit der Landes- und Bezirkspolitik ins Gespräch.


Was bleibt vom Park(ing) Day 2026?
Sicherlich viele schöne Begegnungen, gute Gespräche und Erinnerungen an eine Berliner Straße, die für einige Stunden anders genutzt wurde. Für uns als VCD Nordost ist der Erfolg aber nicht allein daran zu messen, wie viele Menschen vorbeikamen oder wie viele Parkplätze umgestaltet wurden.
Ein Erfolg ist der PARK(ing) Day dann, wenn Menschen ins Nachdenken kommen und mit einer konkreten Vorstellung davon nach Hause gehen, wie ihre Straße künftig aussehen könnte. Wenn aus einem Gespräch eine Idee wird, aus einer Idee eine Initiative und aus einer Initiative schließlich eine dauerhafte Veränderung, entfaltet der Aktionstag seine Wirkung weit über den Veranstaltungstag hinaus.
Dafür braucht es Menschen, die mitmachen, ihre Nachbarschaft einbeziehen und sich für eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums einsetzen. Unser Dank gilt allen Beteiligten, den engagierten Helfer*innen und den Menschen aus der Nachbarschaft, die vorbeigeschaut, mitgemacht, diskutiert und ihre Perspektiven eingebracht haben. Ob beim gemeinsamen Aufbau des Tischkickers, beim Drehen des Glücksrads, im Gespräch am Straßenrand oder beim Spielen auf der Straße: Jede dieser Begegnungen hat dazu beigetragen, den öffentlichen Raum für einen Moment neu zu denken.
Der Park(ing) Day ist ein Tag im Jahr. Die Frage, wie wir unsere Straßen gestalten wollen, stellt sich jedoch jeden Tag.
Wir nehmen die vielen Begegnungen und Anregungen aus der Berliner Straße mit und setzen uns weiter für eine Stadt ein, in der Menschen mehr Platz bekommen – für sichere Mobilität, für Grün, für Begegnung und für ein gutes Zusammenleben.